Ein digitaler Zugang zur Jugendberufsagentur

Praxisbeispiel nach einem Interview mit Volker Inholte, Koordinator der Jugendberufsagentur Emsland

09.10.2026 | Redaktion: Lydia Schwebig, Benedikt Caspers

Die Website der JBA Emsland bietet jungen Menschen einen niedrigschwelligen Zugang zur Jugendberufsagentur – unabhängig davon, wo sie im Landkreis wohnen.

Copyright Informationen anzeigenScreenshot der Startseite der JBA Emsland

"Endlich wissen, wo es langgeht." Dieser Satz springt auf der Startseite der Jugendberufsagentur Emsland direkt ins Auge. Dahinter befindet sich eine Kontaktmaske: "Schreib uns. Wir sind für dich da". Die Aufforderung ist verbunden mit der Versicherung: "Wir melden uns spätestens am nächsten Werktag bei dir."

So wird in wenigen Sekunden deutlich, welches Ziel die Jugendberufsagentur Emsland mit ihrer Website verfolgt: Jungen Menschen die Kontaktaufnahme möglichst leicht zu machen. "Die Website soll unser zentraler Anlaufpunkt sein, unabhängig davon, wo im Landkreis ein junger Mensch lebt", erklärt Volker Inholte, Koordinator der Jugendberufsagentur Emsland.

Die Website soll unser zentraler Anlaufpunkt sein, unabhängig davon, wo im Landkreis ein junger Mensch lebt.

Damit löst die Website etwas, das in ländlichen Räumen oft nur schwer umsetzbar ist: einen gemeinsamen Zugang aller Partner zur Jugendberufsagentur zu schaffen. Die Idee einer gemeinsamen Anlaufstelle stand zwar zu Beginn der Zusammenarbeit kurz im Raum, war aber in der Praxis nicht zielführend. "Der Landkreis ist rund 160 Kilometer lang, etwa 100 Kilometer breit und umfasst 16 Kommunen. Ein gemeinsames Haus an nur einem Ort wäre für viele junge Menschen kaum zu erreichen. Wir mussten dezentral werden", beschreibt Volker Inholte die damalige Schlussfolgerung. Aber Anlaufstellen in allen 16 Kommunen mit allen drei Rechtskreisen aufzubauen, war finanziell und personell nicht leistbar.

Weitere Infos zur Jugendberufsagentur Emsland

Seit 2015 arbeiten die Agentur für Arbeit Nordhorn, das Jobcenter Emsland, die Jugendhilfe des Landkreises Emsland und die berufsbildenden Schulen in der JBA zusammen. Um junge Menschen im großen Flächenlandkreis bestmöglich zu unterstützen, arbeiten die Partner dezentral, sowohl mit Komm- als auch Gehstrukturen und aufgeteilt in drei Regionalgruppen (Nord, Mitte und Süd), um Netzwerke vor Ort gezielter pflegen und vorhandene Strukturen leichter nutzen zu können.

Website der JBA Emsland: Website der JBA Emsland
Aus unserer Datenbank: SJBA Infos im Popup-Fenster zur Jugendberufsagentur Emsland

Die JBA Emsland nutzt also unterschiedliche Zugangswege, indem sie an vorhandene Strukturen in den Kommunen und an berufsbildenden Schulen anknüpft. Beispielsweise können die Räumlichkeiten der Jobcenter oder kommunale Einrichtungen in jeder Gemeinde für gemeinsame Fallbesprechungen genutzt werden und es gibt gemeinsame Präsenzzeiten an den Schulen. Hinzu kommt aufsuchende Jugendsozialarbeit. Junge Menschen werden bei Bedarf auch zu Terminen begleitet, sprich dorthin gefahren. Durch eine gemeinsame Website wurde darüber hinaus für den gesamten Landkreis ein "gemeinsamer Eingang zur JBA" geschaffen.

Kontaktaufnahme im Mittelpunkt

Gleich mehrere Eyecatcher auf der Website führen zur Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Das ist ganz bewusst so umgesetzt. Die Website bietet zwar auch Informationen rund um Schule, Ausbildung, Arbeit und weitere Unterstützungsangebote, doch der Schwerpunkt liegt nicht auf der Informationsvermittlung. "Wir wollten hier nicht 1000 Informationen draufsetzen", sagt Volker Inholte. "Das primäre Ziel der Website ist von Anfang an gewesen, einen einfachen Weg zum persönlichen Kontakt zu bieten. Darum geht es den jungen Menschen. Das zeigen die Klickzahlen ganz deutlich."

Die Möglichkeiten der Kontaktaufnahme sind deshalb so niedrigschwellig wie möglich angelegt. So gibt es im Kontaktformular kaum Pflichtangaben, um keine unnötigen Hürden einzubauen. Im Zweifel reichen ein Name und eine Kontaktmöglichkeit und ein kurzer Satz zum Anliegen. "Es reicht schon ein kurzes ‚Ich brauche Hilfe bei der Ausbildung‘ – das ist genug", erklärt der Koordinator. Neben dem Kontaktformular gibt es auch eine zentrale Telefonnummer und E-Mail-Adresse.

Die Zuständigkeit steht im Hintergrund

Egal ob Telefon, E-Mail oder Kontaktformular: Alle Anfragen laufen zunächst bei der JBA-Koordination beziehungsweise deren Vertretung zusammen. "Die jungen Menschen wissen ja oft gar nicht, wer für ihr Anliegen zuständig ist – dafür sind wir als JBA da." Diesem Gedanken folgend, ist auf der Website zwar konsequent von "wir" die Rede, allerdings eher in Form vom "Team JBA". Die einzelnen Institutionen und Zuständigkeiten treten in den Hintergrund. "Nach außen treten wir immer als Jugendberufsagentur auf. Dass dahinter der Landkreis, das Jobcenter, die berufsbildenden Schulen und die Berufsberatung der Arbeitsagentur hängen, ist für die jungen Menschen meistens nicht wichtig. Es reicht, dass sie erstmal wissen, dass sie sich an die Jugendberufsagentur wenden", erklärt Volker Inholte.

Die Grundlage, um diese einfache Form der Kontaktaufnahme für junge Menschen möglich zu machen, sind starke Strukturen der Zusammenarbeit und verbindliche Prozesse. In der JBA Emsland sind sie über Jahre gewachsen. "Bei uns saßen schon sehr früh nicht nur die Steuerungsebene, sondern auch die praktische Ebene an einem Tisch – dadurch kennen wir nicht nur die Zuständigkeiten, sondern auch die Menschen dahinter."

Es ist leichter für [die jungen Menschen] Kontakt aufzunehmen, wenn sie nicht schon im Vorfeld auswählen müssen, an wen sie sich denn nun eigentlich wenden können.

Deshalb kann Volker Inholte beim Erstkontakt mit den jungen Menschen meist schnell erkennen, wer im konkreten Fall die geeignete Ansprechperson ist. "Es ist uns sehr wichtig, dass die jungen Menschen nicht erst mal mit zig Ansprechpartnern zu tun haben, deshalb versuchen wir im lockeren Gespräch gleich zu Beginn möglichst viele Informationen zu bekommen, die für die Kolleginnen und Kollegen, die den Fall weiterbearbeiten werden, wichtig sind".

Gleichzeitig spielt schon im Erstgespräch Verbindlichkeit eine große Rolle und es wird transparent gemacht, was als Nächstes passiert. Wenn möglich, nennt die Koordination bereits den Namen der Person, die übernehmen wird. Innerhalb einer Woche soll es eine Rückmeldung geben. In der Regel fragt Volker Inholte bei den betreffenden Kolleginnen und Kollegen noch einmal nach, ob der Kontakt tatsächlich zustande gekommen ist. Wenn ein junger Mensch bei der vermittelten Stelle nicht angekommen ist, wird noch einmal nachgehakt.

Niedrigschwelligkeit als Leitidee der Entwicklung

Wie muss ein digitaler Zugang gestaltet sein, damit junge Menschen ihn tatsächlich nutzen? Diese Frage nahm bei der Entwicklung der Website einen großen Raum ein. Die Website wurde zusammen mit einer Werbeagentur entwickelt, doch  auch Jugendliche wurden in diese Überlegungen einbezogen. Eine Schülergruppe eines beruflichen Gymnasiums beschäftigte sich im Rahmen einer Facharbeit mit der Frage, wie insbesondere schwer erreichbare junge Menschen angesprochen werden können und ihre Überlegungen flossen später in die Umsetzung ein.

Wir als Fachleute können die Inhalte liefern […]. Aber in der Agentur, da sitzen die Profis fürs Texten.

Lesetipp: Den Webauftritt der Jugendberufsagentur gestalten

Eine gute Website macht Jugendberufsagenturen sichtbar und erleichtert jungen Menschen den Zugang zu passenden Angeboten. Doch worauf kommt es bei einem gelungenen Webauftritt an? Der Beitrag stellt verschiedene Beispiele vor und gibt praktische Tipps, die Inspiration für die eigene Umsetzung bieten können.

Zum Beitrag wechseln

Auch die Auffindbarkeit spielte von Beginn an eine Rolle. Wer beispielsweise nach Unterstützung rund um Ausbildung im Emsland sucht, sollte die JBA möglichst schnell finden. "Es lohnt nicht, auf Seite fünf, sechs, sieben der Google-Ergebnisse zu landen".

Von der Vergabe bis zur Veröffentlichung ging es schließlich schnell: Im November 2021 wurde die Umsetzung vergeben, bereits im Januar 2022 ging die Website online.

Pflege: etwa eine Stunde pro Woche

Eine Website benötigt Pflege. Um den Aufwand im Nachgang möglichst gering zu halten, wurde bereits bei der Entwicklung der Website darauf geachtet, dass diese möglichst ohne die Hilfe der Agentur vorgenommen werden kann und nicht viel Zeit kostet.

Die kontinuierliche Pflege der Website ist mit vergleichsweise überschaubarem Ressourceneinsatz möglich.

Die technische Wartung – etwa Software-Updates, Hosting oder technische Anpassungen – übernimmt der Dienstleister. Für die redaktionelle Pflege wurde ein rechtskreisübergreifendes Redaktionsteam aus etwa fünf bis sechs Mitarbeitenden aus der Praxis gebildet. Über ein Content-Management-System können Veranstaltungen, Neuigkeiten und weitere Inhalte eingestellt werden. Der redaktionelle Aufwand ist überschaubar. Im Durchschnitt fällt ungefähr eine Stunde pro Woche für die Pflege an. Automatisierungen helfen dabei: Veranstaltungen können beispielsweise mit einem Enddatum versehen werden und verschwinden anschließend automatisch.

Dass diese Frage relevant ist, zeigt auch der Vergleich mit Social Media. Die JBA betreibt inzwischen zusätzlich einen Instagram-Kanal, nutzt ihn aktuell vor allem zur Bewerbung von Veranstaltungen. Der Aufwand sei dort deutlich höher: "Das lebt ja davon, dass da viel passiert. Die kontinuierliche Pflege der Website ist mit vergleichsweise überschaubarem Ressourceneinsatz möglich."

Auch nach Innen eine Hilfe – der interne Bereich

Copyright Informationen anzeigenScreenshot der Anmeldemaske

Ergänzend zum frei zugänglichen, öffentlichen Teil der Website gibt es auch einen passwortgeschützten Bereich für die JBA-Mitarbeitenden. Dort liegen Dokumente, die für die Organisation der Zusammenarbeit hilfreich sind. Besonders gefragt ist die gemeinsame Telefon- und Zuständigkeitsliste. Vorher habe es Listen gegeben, auf denen Nummern oder Zuständigkeiten nicht mehr aktuell gewesen seien, berichtet Volker Inholte. Der zentrale Ablageort im geschützten Bereich ermöglicht, die Daten der Ansprechperson zentral zu pflegen. Auch Protokolle, Informationen zu Angeboten sowie Vorlagen und Materialien werden hier abgelegt. Und die drei Regionalgruppen Nord, Mitte und Süd nutzen den Bereich für den fachlichen Austausch.

Lesetipp: Eine gemeinsame digitale Arbeitsumgebung

In vielen Jugendberufsagenturen können die kooperierenden Partner nicht auf gemeinsame Laufwerke zugreifen. Die überaus-Plattform bietet viele Funktionen zur Kommunikation und zum Teilen von Informationen und Dateien, die die institutionsübergreifende Zusammenarbeit erleichtern können.

Zum Beitrag wechseln

Die Mischung macht‘s

Im Landkreis Emsland wird die Website der Jugendberufsagentur gut angenommen – dafür sprechen die Nutzungszahlen. Im Startjahr 2022 gingen bereits mehr als 200 Anfragen über die zentralen Kontaktwege ein. Inzwischen sind es jährlich etwa 500 bis 600. Neben jungen Menschen selbst wenden sich auch Eltern an die JBA.

Damit macht die Website knapp die Hälfte aller Anfragen aus, die an die Jugendberufsagentur gestellt werden. Die andere Hälfte entsteht über die weiteren Zugänge zu den Angeboten der Jugendberufsagentur, die durch Komm- und Geh-Strukturen bestehen. Entsprechend kommen die Anfragen über Präsenz in Schulen, Veranstaltungen, Jugendzentren, die Vermittlung von Netzwerkpartnern und aufsuchenden Angebote zustande. Für Volker Inholte ist dieser Zugänge-Mix sehr wichtig, denn "am Ende geht es darum, so viele wie möglich zu erreichen."

Kostenpunkt

Für die Entwicklung der Website einschließlich des internen Bereichs investierte die JBA 2021 zwischen 12.000 und 15.000 Euro. Volker Inholte weist allerdings im Gespräch darauf hin, dass ein vergleichbares Projekt heute vermutlich mehr kosten würde. Die laufenden technischen Kosten werden von den beteiligten Rechtskreisen zu gleichen Teilen getragen. Zusätzlich gibt es ein gemeinsames Budget für Öffentlichkeitsarbeit.

Die Website als gemeinsames Organisationsprojekt

Aus Sicht des Koordinators hat sich die Entwicklung der Website definitiv gelohnt. "Die Website bietet für die jungen Menschen im Landkreis einen echten Mehrwert. Jede Anfrage ist Gold wert, besonders, wenn sie sonst zwischen verschiedenen Kontaktkanälen oder Zuständigkeiten verloren gegangen wäre."

Die Website bietet für die jungen Menschen im Landkreis einen echten Mehrwert.

Doch auch für die Entwicklung der Jugendberufsagentur selbst war der Aufbau der Website wichtig. Denn die Partner mussten sich dabei gemeinsam mit Fragen beschäftigen, die letztlich die gesamte Zusammenarbeit der JBA betreffen: "Wir mussten uns fragen: Wie sprechen wir junge Menschen an? Wie niedrigschwellig können wir sein? Wer übernimmt eine Anfrage? Welche Informationen werden wirklich benötigt? Und wie stellen wir sicher, dass nach dem ersten Kontakt tatsächlich etwas passiert?" Die Website hat damit nicht nur einen zusätzlichen Zugang nach außen geschaffen, sondern auch den Blick darauf gerichtet, wie die Partner noch besser zusammenarbeiten und was es braucht, damit eine Anfrage an der richtigen Stelle ankommt.

Davon profitieren am Ende alle Beteiligten. Vor allem aber die jungen Menschen, die schneller dort ankommen, wo ihnen geholfen werden kann.