Arbeitsmaterialien "Zugänge zu Jugendberufsagenturen zielgruppengerecht gestalten"
Unterstützung für den Arbeitsprozess in Jugendberufsagenturen
12.03.2026 | Sonja Klante | Redaktion: Melanie Twrsnick, Lydia Schwebig, Elsa Schumacher
Auf dieser Seite finden Sie Arbeitsmaterialien und einen möglichen Prozess, um die Zielgruppe der eigenen Jugendberufsagentur genau zu beschreiben und ausgehend von diesen Beschreibungen eine zielgruppengerechte Gestaltung der Zugänge abzuleiten.
Warum sind niedrigschwellige Zugänge so wichtig?


© Servicestelle Jugendberufsagenturen
Es gibt viele Arten von Zugängen zur JBAFür die Arbeit von Jugendberufsagenturen ist es essentiell, dass junge Menschen einfachen Zugang zum Angebot haben. Zugänge können auf verschiedene Arten entstehen: Durch Anlaufstellen vor Ort, eine Präsenz im Web beziehungsweise in sozialen Medien, aufsuchende Arbeit in den Kommunen oder durch Multiplikatoren in Schulen und lokalen Einrichtungen. Welche Zugänge sinnvoll sind, hängt von den örtlichen Rahmenbedingungen und Bedarfen ab, doch idealerweise bietet die Jugendberufsagentur das ganze Spektrum an Zugangsarten, um möglichst alle jungen Menschen vor Ort zu erreichen.
Entscheidend für alle Zugangsarten ist, dass sie niedrigschwellig sind, also leicht erreichbar, verständlich und ohne große Hürden nutzbar. Dazu gehört auch, dass sie jugendgerecht gestaltet sind. Denn nur, wenn junge Menschen sich "abgeholt" fühlen, werden sie Vertrauen in das Hilfsangebot der Jugendberufsagentur entwickeln.
Mehr Informationen zu den verschiedenen Zugangsarten und Anforderungen an niedrigschwelligen Zugang finden Sie in unserem Foliensatz.
Die Datei ist nicht barrierefrei.
Foliensatz_Zugaenge.pdf (562 KB)
Deshalb lohnt es sich, die bestehenden Zugänge vor Ort näher zu betrachten und weiterzuentwickeln. Auf dieser Seite stellen wir Materialien bereit und zeigen einen möglichen Weg auf, um dies zu tun.
Hinweise zur Arbeit mit den Materialen
Der hier vorgestellte Arbeitsprozess soll dabei unterstützen, Zugänge zur Jugendberufsagentur strukturiert und passend für verschiedene Zielgruppen weiterzuentwickeln. Der Ausgangspunkt ist dabei eine differenzierte Betrachtung der Zielgruppe – also der jungen Menschen, die von der Jugendberufsagentur erreicht werden oder erreicht werden sollen. Auf dieser Grundlage kann gemeinsam geprüft werden, ob die bestehenden Zugänge zur Jugendberufsagentur tatsächlich bedarfsgerecht gestaltet sind.
Alle Partner und Ebenen ins Boot holen
Damit die Erfahrungen und Rahmenbedingungen aller Kooperationspartner der Jugendberufsagentur gleichermaßen berücksichtigt werden und alle die aus dem Prozess resultierenden Entscheidungen mittragen können, ist es wichtig, alle Partner zu beteiligen. Für jeden Arbeitsschritt gilt es, vorab zu überlegen, welche Personen von welcher Ebene (strategische Steuerungsebene, operative Planungsebene, operatives Team, Koordination) einbezogen werden müssen. Grundsätzlich empfiehlt es sich, alle Beteiligten regelmäßig über Aktivitäten und Entwicklungen zu informieren.
Wie der Arbeitsprozess strukturiert wird und die Materialien genutzt werden, hängt von den Bedingungen vor Ort ab. Die Vorlagen der Materialien können direkt übernommen oder bei Bedarf angepasst werden.
Der Prozess kann in Form eines etwa halbtätigen Workshops durchgeführt werden, wobei die genaue Dauer je nach Bedarf variieren kann. Eine neutrale Moderation kann den Prozess unterstützen, doch es ist auch möglich den Prozess in Eigenregie umzusetzen.
Benötigte Materialien im Überblick
- A3 Druckvorlage Arbeitsblatt "Zugänge" (wird für Schritt 1 und Schritt 2 benötigt.)
- A3 Druckvorlage Arbeitsblatt "Umsetzungsplanung und Umsetzung" (wird für Schritt 3 und Schritt 4 benötigt.)
- Stifte/Edding
- Optional: verschiedenfarbige Klebezettel oder Punkte (beispielsweise rot und grün)
Möglicher Ablauf
Schritt 1: Zielgruppe "Junge Menschen" in Teilzielgruppen beschreiben
In der Regel richten sich Jugendberufsagenturen an alle jungen Menschen, die in der Phase des Übergangs von der Schule in den Beruf Unterstützung bei ihrer beruflichen oder sozialen Integration benötigen.
Damit das Angebot alle erreicht, ist es hilfreich, sich die Zielgruppe im gemeinsamen Austausch genauer anzusehen und entsprechend ihrer unterschiedlichen Bedürfnisse in Teilgruppen zu unterteilen.
Das Arbeitsblatt "Zugänge" erleichtert den Schritt, die Zielgruppe der Jugendberufsagentur genauer zu betrachten. Die Tabelle hilft, unterschiedliche Lebenssituationen und Bedürfnisse junger Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf sichtbar zu machen. Dazu werden verschiedene Teilgruppen – etwa junge Eltern, Careleaver oder geflüchtete Jugendliche – sowie ihre jeweiligen Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe beschrieben.
Das Herausarbeiten der Teilzielgruppen dient als Strukturierung. Eine trennscharfe Abgrenzung ist nicht zwingend notwendig. Wichtig ist, die unterschiedlichen Ausgangslagen und Herausforderungen der jungen Menschen vor Ort zu verstehen. Aspekte können beispielweise sein:
- Ausgangslage und Merkmale
- Herausforderungen
- Orte, an denen sich die Personen häufig aufhalten
Benötigtes Material für Schritt 1
A3 Druckvorlage Arbeitsblatt "Zugänge": Um genug Platz zum Sammeln der Informationen zu haben, bietet es sich an, pro Teilzielgruppe je ein Arbeitsblatt zu nutzen.
A3 Druckvorlage Arbeitsblatt "Zugänge" (144 KB)
Beispiel für ein ausgefülltes Arbeitsblatt
Schritt 2: Passende Zugänge für einzelne Teilgruppen identifizieren und beschreiben


© SJBA
Im nächsten Schritt wird für jede Teilgruppe festgehalten, welche Zugänge geeignet wären und wie diese idealerweise gestaltet sein müssten. Hilfreich ist es, die dabei zu berücksichtigenden Aspekte möglichst konkret zu beschreiben. Zur besseren Strukturierung hilft eine Unterteilung in folgende Zugangsarten:
- Physische Anlaufstellen - zum Beispiel dauerhafte zentrale oder dezentrale Anlaufstellen, temporäre Anlaufstellen (zum Beispiel Pop-up-Stores), mobile Anlaufstellen (zum Beispiel Beratungsbus)
- Digitale Kanäle, zum Beispiel Website, Social Media
- Angebote aufsuchender Arbeit
- Zugänge über Multiplikatoren, zum Beispiel Kooperationen mit Partnern wie Schulen, Beratungsstellen, Jugendeinrichtungen oder ähnlichen Institutionen.
Wichtig
Die Zugänge sollen unabhängig von möglichen Einschränkungen bei der späteren Umsetzbarkeit beschrieben werden. An dieser Stelle geht es lediglich um eine Beschreibung dessen, was idealerweise notwendig wäre, um den Zugang für die jeweilige Teilgruppe möglichst zielgruppengerecht und damit niedrigschwellig zu gestalten. Der Abgleich mit den tatsächlichen Möglichkeiten der Jugendberufsagentur erfolgt im nächsten Schritt.
Fragen, die bei der Beschreibung helfen können:
- Wo hält sich die Teilgruppe häufig auf?
- Mit welchen Zugängen wurden mit dieser Zielgruppe bereits gute oder schlechte Erfahrungen gemacht?
- Welche Rahmenbedingungen muss ein Zugang bieten, damit er von der Teilgruppe in Anspruch genommen werden kann?
Schritt 3: Strategische Weiterentwicklung der Zugänge und Priorisierung
Zunächst sollte erneut im gemeinsamen Austausch gesammelt werden, welche Zugänge für die Teilzielgruppen vorhanden sind. Dann erfolgt ein Abgleich mit den erarbeiteten Ideen aus Schritt zwei. Es geht darum, zu prüfen, welche Zugänge sich bewährt haben und welche ergänzt oder angepasst werden sollen:
- Welche Zugänge werden bereits genutzt und haben sich bewährt und können unverändert bestehen bleiben?
- Welche Zugänge haben sich in ihrer aktuellen Form nicht bewährt und müssen weiterentwickelt werden?
- Welche der neuen Ideen und Ansätze erscheinen für diese Weiterentwicklung sinnvoll?
Tipp: Klebepunkte nutzen
Zur Unterstützung der Diskussion können verschiedenfarbige Klebepunkte genutzt werden, zum Beispiel rot und grün. Die Teilnehmenden markieren Zugänge, die sich aus ihrer Sicht bewährt haben, mit einem grünen Punkt. Zugänge, über die noch genauer gesprochen werden soll, erhalten einen roten Punkt. So wird auf einen Blick sichtbar, wo Besprechungsbedarf besteht.
Ist festgelegt, welche Ideen Potenzial haben, sollte eine Priorisierung erfolgen, weil in aller Regel nicht alle Maßnahmen (gleichzeitig) umgesetzt werden können. Bei der Priorisierung spielen vor allem die verfügbaren Ressourcen eine große Rolle, aber zum Beispiel auch die Frage, welche der Ideen am besten auf die strategischen Ziele der Jugendberufsagentur einzahlen:
- Welche strategischen Ziele sollen mit den Zugängen verfolgt werden? Welche Ansätze unterstützen die strategischen Ziele der Jugendberufsagentur am besten?
- Stehen ausreichend Ressourcen (zum Beispiel finanzielle Mittel, Mitarbeitende, Kompetenzen) zur Verfügung, um eine qualitative Umsetzung zu gewährleisten?
Beispiel für ein ausgefülltes Arbeitsblatt
Schritt 4: Umsetzungsplanung und Umsetzung
Bei der Umsetzungsplanung sollten noch folgende Fragen berücksichtigt werden:
- Was muss bei der Gestaltung der Zugänge berücksichtigt werden, damit die Kernbotschaft "In der Jugendberufsagentur finden junge Menschen Unterstützung bei allen Fragen und Herausforderungen" ankommt?
- Welche weiteren Kernbotschaften sollen durch die Gestaltung transportiert werden?
- Wie kann erreicht werden, dass die Zugänge von den jungen Menschen "wie aus einer Hand" wahrgenommen werden?
- Wie müssen die Zugänge gestaltet sein, damit sie gut ineinandergreifen? (Zum Beispiel kann ein Erstkontakt über das Kontaktformular der Website oder bei einem Angebot aufsuchender Arbeit erfolgen, woraufhin ein Beratungsgespräch in der Anlaufstelle vereinbart wird.)
- Wie können gegebenenfalls junge Menschen an der Gestaltung von Zugängen beteiligt werden?
Ausblick
Es ist wichtig, die Zugänge der Jugendberufsagentur regelmäßig auf ihren Nutzen und ihre Nutzung hin zu überprüfen und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit sowie Ausgangslagen und Bedarfe von Teilzielgruppen können sich ändern und Anpassungen erforderlich machen. Auch deshalb sollte frühzeitig die Frage gestellt werden, wie der Erfolg der Arbeit bei den einzelnen Zugängen bezogen auf die Ziele der Jugendberufsagentur gemessen werden kann. Zum Beispiel ist es sinnvoll, von Beginn an die Anzahl der jungen Menschen, die bestimmte Zugänge nutzen, nachzuhalten.
Download
Die Tabelle können Sie als Grundlage für Ihre Notizen verwenden.
Die Datei ist nicht barrierefrei.
Hier finden Sie eine beispielhaft ausgefüllte Tabelle.
Die Datei ist nicht barrierefrei.
Schließlich die Tabelle für die Umsetzungsplanung zum Ausfüllen.
Die Datei ist nicht barrierefrei.
Hier finden Sie eine beispielhaft ausgefüllt Tabelle zur Umsetzungsplanung.
Die Datei ist nicht barrierefrei.
Noch Fragen?
kontakt(at)servicestelle-jba.de

Schlagwörter