Die gemeinsame Anlaufstelle der Jugendberufsagentur Heidenheim
Praxisbeispiel nach einem Interview mit Jens Peter Thielemann (Jobcenter), Anja Wiesenfarth (Landratsamt) und Adrien Barsacq (Agentur für Arbeit)
01.10.2026 | Redaktion: Elsa Schumacher
Die noch recht junge Anlaufstelle der Jugendberufsagentur in Heidenheim präsentiert sich offen und aufgeräumt. Seit knapp zwei Jahren befindet sie sich an ihrem Standort, mitten in der Kreisstadt. Sie liegt verkehrsgünstig in der Nähe des Bahnhofs und des Busbahnhofs, so dass Jugendliche aus dem ganzen Kreisgebiet herfinden können.
Zwar bestand zwischen der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter und dem Landratsamt in Heidenheim schon seit 2015 ein Kooperationsbündnis mit einer „virtuellen Jugendberufsagentur“. Aber bis 2023 reifte bei allen drei Partnern der Wunsch nach einer gemeinsamen Anlaufstelle unter einem Dach, die die Zusammenarbeit erleichtern würde. Man war sich einig, dass eine Inhouse-Lösung im Gebäude der Arbeitsagentur nicht geeignet sein würde, um der Jugendberufsagentur als niedrigschwellige Anlaufstelle für junge Menschen ein erkennbares Profil zu geben.
Offen, modern und "frei von Amtsmief"
Die Räumlichkeiten der JBA Heidenheim sind gut ausgeleuchtet und wirken offen und aufgeräumt; als "clean", bezeichnet sie Jens Peter Thielemann, der Koordinator der Jugendberufsagentur Heidenheim und Teamleiter Markt & Integration U25 + Ü50 des kommunalen Jobcenters. Das Ziel der Beteiligten sei es gewesen, sich als öffentliche Einrichtung sachlich, modern und "frei von Amtsmief" zu präsentieren. Entsprechend ist die Einrichtung funktional und schnörkellos, aber licht und farbenfroh. Die Farben der Sitzmöbel sind gesättigt und klar, es gibt keine gemusterten Bezüge, der Boden leuchtet förmlich in einem hellen Grün. Dem offenen Raumkonzept folgend gibt es mehrere "Beratungsinseln", kleine geschützte Sitzgruppen, die im Raum verteilt sind. Sie erlauben es, in zwangloser und geschützter Atmosphäre ein Gespräch zu beginnen. "Gleichzeitig ist aber auch klar: wir sind kein Jugendtreff". Entsprechend findet man in der JBA Heidenheim keinen Tischkicker, keine Playstation, keine Dartscheibe und keine Küche, kein Graffiti und keine Plakate.
Uns ist aber auch klar: wir sind kein Jugendtreff
Jens Peter Thielemann
Werktags hat die Anlaufstelle täglich geöffnet. Jugendliche können hier mit oder ohne Termin in der Zeit von 8 bis 16 Uhr herkommen, donnerstags sogar bis 17:30, freitags bis 11:30 Uhr. "Etwa 60 Prozent der Jugendlichen kommen mit Termin und 40 Prozent kommen unangemeldet", berichtet Thielemann. In der Eingangszone werden die Besucherinnen und Besucher empfangen und durch die Empfangsmitarbeitenden entweder in die Büros zu ihrem Termin geleitet oder es findet ein Clearing statt, welche(r) JBA-Mitarbeitende aus den drei Rechtskreisen nun die passende Ansprechperson für das Anliegen ist. Für die Überbrückung von Wartezeiten gibt es genug Sitzgelegenheiten.
Weitere Infos zur Jugendberufsagentur Heidenheim
Aus unserer Datenbank:
Website der JBA Heidenheim: www.jba-hdh.de
Die Jugendberufsagentur Heidenheim ist auf Instagram unter dem Handle @jba_hdh erreichbar: www.instagram.com/jba_hdh
Rund um den offenen Eingangsbereich liegen die Büros, mit Fenstern nach außen und zum Innenraum. Hier arbeiten zehn Berufsberaterinnen und -berater im Wechsel, vier Integrationsfachkräfte und zwei Fallmanager des Jobcenters sowie zwei Mitarbeiterinnen vom Landratsamt. Sie arbeiten für die Jugendhilfe im ESF-geförderten Projekt "Eisberg" (Eigenständigkeit durch Beratung). Zudem ist regelmäßig ein Mitarbeiter der Leistungsabteilung des Jobcenters anwesend, was alle Beteiligten als sehr vorteilhaft empfinden. Auch die Beauftragte für Chancengleichheit des Jobcenters hat hier ihren Dienstsitz, was ebenfalls eine Bereicherung für die Jugendberufsagentur ist. Viele junge Frauen mit Kindern erhalten Unterstützung durch sie.
Nach außen treten die Kooperationspartner der Jugendberufsagentur gemeinsam auf. Im Zuge der Beratung machen die einzelnen Mitarbeitenden den jungen Menschen ihre Zugehörigkeit zum Jobcenter, zur Arbeitsagentur oder zur Jugendhilfe transparent. "Die jeweiligen Rechtskreise brauchen ja nicht zu verschwinden", erläutert Thielemann. Die Zusammenarbeit habe sich aber durch die gemeinsame Arbeit an einem Ort erheblich intensiviert, die gemeinsame Fallberatung habe sich verbessert, aber auch die Haltung der einzelnen Beteiligten habe sich geändert. "Da, wo meine Kompetenzen aufhören, beginnen die Kompetenzen der Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Rechtskreisen der JBA", ergänzt Adrien Barsacq, Teamleiter Berufsberatung vor dem Erwerbsleben der Arbeitsagentur Aalen in der JBA Heidenheim. Damit sich diese Einstellung verfestige, brauche es aber schon eine gewisse Zeit. "Alle Rechtskreise profitieren von einander", sagt auch Anja Wiesenfahrt, die als Casemanagerin der Jugendhilfe in der JBA arbeitet.
EISBERG
Das Projekt Eisberg wird im Rahmen des Programms JUGEND STÄRKEN: Brücken in die Eigenständigkeit durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und durch die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert. Neben dem Casemanagement übernimmt die Koordinierungsstelle des Projekts unter anderem die Pflege des Instagram-Kanals, die Prozessgestaltung des Feedbacks durch die jungen Menschen sowie die Evaluation.
Vorstellung der Kooperationspartner auf der Seite der Jugendberufsagentur HeidenheimKontakt zur Zielgruppe
Akzeptanz der JBA durch die Jugendlichen
"Die Jugendlichen nehmen das Angebot der Jugendberufsagentur sehr gut an", sagt Jens Peter Thielemann. Das liege aber vor allem an der Offenheit, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Jugendlichen und ihren Anliegen entgegenbrächten. Im letzten Jahr seien 4500 Jugendliche zur Beratung da gewesen, das seien durchschnittlich rund 400 im Monat mit steigender Tendenz. "Über unseren Instagram-Account versuchen wir mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen und Aufmerksamkeit zu erzeugen. Der Kanal wird von der Jugendhilfe gepflegt. Außerdem versuchen wir mit niedrigschwelligen Aktionen die Jugendlichen zu animieren, zu uns zu kommen – auch mal ganz ohne Beratungskontext," so Thielemann. Im August gibt’s bei der JBA Heidenheim zum Beispiel ein Wassereis für jeden, der hereinkommt.
Partizipation
Bei der Planung der Anlaufstelle hat man Jugendliche nach Möglichkeit beteiligt. Das JBA-Logo wurde im Rahmen eines kleinen Wettbewerbs von drei Schulen entworfen. Vier Lüftungsrohre werden im Rahmen einer Maßnahme für Jugendliche designt und lackiert, und demnächst soll eine kleine Ausstellung die gemalten Traumberufe der beteiligten Jugendlichen zeigen.
Feedback
Zusätzlich ist die JBA Heidenheim "nah am Kunden", um ihre Dienstleistungen ständig zu verbessern und zu hinterfragen. Jeder junge Mensch bekommt die Möglichkeit, (auch anonym) Feedback zu geben. Über einen QR-Code am Ein- beziehungsweise Ausgang; zusätzlich bekommt jeder Besucher nach der Beratung eine Visitenkarte inklusive QR-Code, um hier mit fünf einfachen Fragen das Angebot der drei Träger und der JBA im Ganzen zu bewerten.
Räumlichkeiten für großes Publikum
Die Bekanntheit der Jugendberufsagentur habe auch mit regelmäßigen Veranstaltungen zu tun, die hier stattfinden. Platz für ein großes Publikum ist ja vorhanden. Rund 38 Events waren es im Jahr 2025. Zum einen ergänzen Veranstaltungen zur Berufsorientierung und Berufswahlkunde das Angebot des BIZ, zu dem man erst nach Aalen fahren müsste: "Berufe in Uniform", Vorstellung der Pflegeschule des Klinikums Heidenheim, "Berufe im Öffentlichen Dienst", Miniausbildungs- und Jobmessen und anderes gehören zu dieser Kategorie. Auch Schulklassen werden in die Jugendberufsagentur eingeladen. Darüber hinaus gibt es aber auch Veranstaltungen, die über den üblichen Rahmen der Jugendberufsagentur hinausgehen. So fand hier ein Austausch der Schülervertretung (SMV beziehungsweise Schülermitverwaltung) mit dem Landrat statt, also ein Jugenddialog auf politischer Ebene. Die große Dienstbesprechung des Schulamts mit allen BO-Verantwortlichen aus den Schulen wurde beim letzten Mal ebenfalls in die Jugendberufsagentur verlegt, um das JBA-Angebot vor dieser Zielgruppe zu präsentieren. Ohnehin soll Schule als Kontaktstelle zu Jugendlichen schlechthin vermehrt angesprochen werden. Die JBA nutzt also die Möglichkeiten, die ihr die großzügigen Räumlichkeiten bieten, weidlich aus, um eine große Öffentlichkeit zu erreichen.
Aufmerksamkeit auch von "ganz oben"
Bekannt und geschätzt ist die Jugendberufsagentur Heidenheim auch an der Spitze der Bundesagentur für Arbeit. Vorständin Andrea Nahles besuchte die Anlaufstelle im Juli 2025 und informierte sich ausführlich bei den Mitarbeitenden über das Angebot. "Es gibt viele Jugendberufsagenturen – aber dass wirklich alle unter einem Dach sitzen und Hand in Hand arbeiten, das ist selten. Und hier ist es gelungen", wird sie in der Heidenheimer Zeitung zitiert.

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